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Damit Mädchen und Frauen regelmäßig bluten, müssen Gehirn, Eierstöcke und Gebärmutter perfekt zusammenspielen. Warum wir so oft im gleichen Zyklus menstruieren, ist allerdings bis heute nicht geklärt.
Ein natürlicher Vorgang, der sich im Schnitt 400 Mal im Leben einer Frau wiederholt: die Menstruationsblutung. Sie setzt zwischen dem neunten und dem 15. Lebensjahr ein und begleitet Frauen bis in die Menopause hinein. „Der Zyklus der Frauen ergibt sich durch eine komplexe Interaktion zwischen Gehirn, Eierstöcken und Gebärmutter“, erklärt Prof. Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum und dem Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin. Dabei trennt sich die Gebärmutterschleimhaut von der Gebärmutter. Um diesen Prozess ungefähr alle 28 Tage anzustoßen, strömen Immunzellen und das Gewebehormon Prostaglandin in die Gebärmutter.
Zum Abtransport der Schleimhaut zieht sich der Uterus, der aus Muskelgewebe besteht, zusammen und bekommt weniger Sauerstoff. „Genau dieses Zusammenspiel zwischen Immunzellen und dem verminderten Sauerstoff kann zu Schmerzen führen“, erklärt die Gynäkologin und Buchautorin („Das große Gynbuch“, 496 Seiten, 30 Euro, Insel Verlag).
Das, was jetzt vom Körper abgestoßen wird, besteht aus Schleim aus der Gebärmutter, dem Gebärmutterhals und der Vagina sowie Schleimhaut und Blut. „Der Blutverlust wird dabei regelmäßig überschätzt, denn Blut hat eine hohe Färbekraft“, weiß die Medizinerin, die den Podcast „Gyncast“ betreibt.

Generationen vor uns haben übrigens noch deutlich weniger menstruiert als wir heute. Das lag daran, dass die Frauen früher schlechter ernährt und oft permanent schwanger oder stillend waren. „Heute sind wir mit durchschnittlich 400 Zyklen im Leben absolute Menstruations-Spitzenreiterinnen“, so Prof. Mandy Mangler. Die Regel setzt auch immer früher ein. Während Mädchen Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland mit gut 15 Jahren zum ersten Mal bluteten, sind sie heute im Schnitt 12,8 Jahre alt. Auch das liegt an der besseren Ernährung. Bei übergewichtigen Mädchen beginnt die erste Regelblutung sogar noch früher. Der Grund: Sie haben mehr Östrogen im Blut als Normalgewichtige.
Zehn von 100 Frauen leiden so sehr darunter, dass für sie ein normaler Alltag während ein bis drei Tagen im Monat nicht möglich ist. Vor allem junge Frauen unter 20 Jahren sind betroffen. Was jetzt schnell hilft, ist Wärme. In ganz schlimmen Fällen auch nichtsteroidale Antirheumatika wie zum Beispiel Ibuprofen oder Naproxen. Die hemmen die Bildung der Botenstoffe Prostaglandine, die die starken Schmerzen auslösen.
„Aber warum wir eigentlich bluten, ist aus wissenschaftlicher Sicht immer noch nicht ganz klar“, so die Berliner Ärztin. Es gibt drei Theorien: Das Abbluten kostet den Körper insgesamt weniger Energie und birgt weniger Risiken, als wenn die Gebärmutterschleimhaut ständig dafür bereit gehalten wird, dass sich eine Eizelle einnistet, die sich mit einem Spermium verbunden hat. Eine dauerhaft aufrechterhaltene Schleimhaut würde ein dauerhaft hohes Östrogenlevel im Körper erfordern und das erhöht das Krebsrisiko.
Andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass jede Menstruation mitsamt ihren Entzündungsprozessen und dem Stress, den sie für die Immunzellen im Uterus verursacht, ein Training für Geburt und Schwangerschaft ist. „Die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur und das Abbluten laufen ebenso ab wie eine kleine Geburt“, so Prof. Mandy Mangler. Außerdem bereitet die Menstruation die Gebärmutter immunologisch auf das Einwachsen der Plazenta vor – eine für den Körper und das Immunsystem fordernde Situation. Denn normalerweise ist es darauf eingerichtet, fremdes Gewebe abzustoßen.
Die dritte Theorie geht davon aus, dass die Menstruation mit ihren entzündlichen Vorgängen potentielle Krankheitserreger, die durch die Vagina in die Gebärmutter gelangt sein können, abtötet und aus dem Körper spült. Bei unseren heutigen hygienischen Bedingungen ist die Sorge aber unberechtigt.