Vera Cordes

Vera Cordes – Das TV-Gesicht der Gesundheit

Was hat Sie damals zur Visite geführt?
Ganz einfach: Ich habe vor 27 Jahren in einer Hamburger Tageszeitung eine Stellenanzeige des NDR
gelesen, in der eine neue Moderatorin für die Visite gesucht wurde. Vorher hatte ich schon einige
Jahre bei RTL Nord moderiert und beim Casting entschied man sich für mich, obwohl auch drei
Ärztinnen teilnahmen.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Ich glaube, die Visite ist so beliebt, weil wir die Menschen ernst nehmen. Wir recherchieren seriös, berichten unabhängig, erklären verständlich – immer mit Blick darauf, was jeder selbst für seine
Gesundheit tun kann. Wir greifen auch oft Themen auf, die Zuschauerinnen und Zuschauer uns
vorschlagen, beantworten ihre Fragen direkt in der Sendung und vermitteln so: Eure Sorgen sind
uns wichtig. Damit geben wir etwas, das heute selten geworden ist: Orientierung, Vertrauen und die
Gewissheit, dass das Wissen über den eigenen Körper uns stärker machen kann. Ich denke, dieses
Vertrauen ist unser größtes Kapital.

Macht mehr Wissen auch gesünder?
Davon bin ich überzeugt. Deshalb liefern wir Wissen zum Weitersagen. Rückmeldungen bestätigen uns immer wieder, dass wir Menschen damit helfen, ihr Leben positiv zu verändern, und manchmal sogar Leben retten. Leute haben uns schon geschrieben, dass sie dank unserer Sendung einen Schlaganfall bereits bei den ersten Anzeichen erkannt und so rechtzeitig Hilfe geholt haben. Andere berichten von gerade noch rechtzeitig entdeckten bösartigen Hautmalen oder als Kiefer- und Rückenschmerzen „getarnten“ Herzinfarkten. Eine Frau kam eines Tages auf mich zu und sagte mir, wir hätten ihr Bein gerettet. Wegen Durchblutungsstörungen sollte es amputiert werden, doch in Visite erfuhr sie von Stents, die die Durchblutung im Bein wieder herstellen können. So sei sie zum Gefäßspezialisten gegangen, der das bei ihr erfolgreich umsetzte. So etwas vergisst man nicht. Und, ehrlich gesagt, liebe ich es, neue Erkenntnisse selbst auszuprobieren und dann gegebenenfalls begeistert weiterzugeben – ob es nun um pfiffige Bewegungsübungen, ungewöhnliche Ernährungstipps oder überraschende mentale Ratschläge geht. In einer Sendung ließ ich mir live vor der Kamera den Blutdruck messen, um zu zeigen, wie man es korrekt anstellt. Und dann fiel ich aus allen Wolken: 170:95! Eine Blutdruckspitze, mit der ich niemals gerechnet hätte, weil ich sonst immer einen sehr niedrigen Blutdruck habe. Das hat mir sehr deutlich gemacht: Bluthochdruck spürt man nicht. Und das macht ihn so gefährlich.

Im Studio in Bewegung zu kommen, macht Vera Cordes besonders viel Spaß:
„Solche Elemente sind nie Show, ich möchte damit vielmehr zeigen: Vieles geht auch ohne Tabletten. Und Prävention braucht jeder – auch Vera Cordes.“

Was macht Ihnen in der Sendung am meisten Spaß?
Am meisten Spaß macht mir, dass ich in jeder Woche dazulernen darf. Diese Mischung aus Forschung, Medizin und Alltagshilfe für jedermann finde ich genial. In der einen Sendung erfahre ich, wie sich Nierensteine vermeiden lassen, in der anderen, dass Einsamkeit ein ähnlich schlimmer Risikofaktor für die Gesundheit ist wie Rauchen, und in einer dritten, dass Kartoffeln und Nudeln vom Vortag kalorienärmer und gesünder für den Darm sind, als wenn man sie frisch gekocht verzehrt. Und ganz ehrlich: Ich liebe es, im Studio in Bewegung zu kommen, ob beim Trampolinspringen für feste Knochen, bei Liegestützen für die Muskelkraft oder beim Marschieren auf dem Laufband. Dadurch können bei Durchblutungsstörungen nämlich neue Gefäße in den Beinen wachsen. Faszinierend, finde ich.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Mir ist wichtig, dass Medizin nicht als abstraktes Expertenthema empfunden wird, sondern als gelebte Verantwortung für den eigenen Körper. Zum Glück ist Prävention heute für viel mehr Menschen selbstverständlich und der gesündere Lebensstil zeigt auch Wirkung. So berichtete ein Alzheimer-Experte in der Sendung, dass die Zahl der Demenz-Erkrankten bei uns seit einiger Zeit deutlich geringer zunimmt als die der älteren Menschen – offenbar, weil immer mehr Menschen etwas gegen die anerkannten Demenz-Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen oder Schwerhörigkeit tun. Und wurden wir früher nach neuen Medikamenten und Operationsmethoden gefragt, möchten Zuschauende heute eher wissen, was sie selbst tun können, um Medikamente oder eine Operation zu vermeiden. Das zeigt zunehmend mehr Eigenverantwortung und das finde ich toll.

Geht es darum auch in Ihrem Buch „Ich hätte da was für Sie“?
Ja. Mir ging es um alltagstaugliche Hilfe zur Selbsthilfe – anhand meiner eigenen Erfahrungen, die ich in Form vieler persönlicher Geschichten einbringe. Viele Menschen suchen Orientierung im Dschungel der modernen Medizin, fühlen sich überfordert von Fachbegriffen und Therapieversprechen. Dabei braucht es oft gar keine teuren Präparate oder komplizierten Behandlungen, auch ganz einfache Dinge können helfen. Ich nenne das Do-it-yourself-Medizin, ohne Nebenwirkungen, aber mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, mit welchen wertvollen Tipps Medizinerinnen und Mediziner hinter dem Berg hervorkommen, wenn man sie nur danach fragt. Ich habe genau das getan und möchte es niemandem vorenthalten.

DIE VISITE läuft jeden Dienstag um 20:15 Uhr im NDR Fernsehen. Online sind alle Informationen zu den Themen der Sendungen in der ARD-Mediathek und bei ardgesund.de zu finden, auch auf den Sozialen Medien Facebook und Instagram ist das NDR-Team aktiv. Die Visite-Ableger „Abenteuer Diagnose“, „Die Ernährungsdocs“ und „Die Bewegungsdocs“ werden zum Teil sogar in der Mediziner Ausbildung eingesetzt.

Vera Cordes
Visite-Hauptmoderatorin Vera Cordes

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