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Nichts ist so einzigartig wie unsere Stimme – unsere persönliche Visitenkarte.
Sie verrät mehr über uns, als uns manchmal lieb ist.
Weltweit gibt es wohl keine zwei identischen Stimmen, die zu verschiedenen Menschen gehören. Ihr Timbre, ihr Klang verrät eine Menge über uns. Sind wir schüchtern, zurückhaltend oder eher der „Hoppla-hier-komm-ich“-Typ? Das alles lässt sich heraushören. Aber auch, ob wir krank sind, schlecht gelaunt oder aufgeregt. Denn nur etwa 20 Prozent der Informationen vermitteln wir verbal durch die Wahl der Worte. Den größten Teil transportieren Gestik, Mimik und eben auch, wie wir etwas sagen.
Normalerweise haben wir beim Sprechen ein Repertoire von sechs bis acht Tönen zur Verfügung. Aber wie entstehen die eigentlich?
„Im Hals befindet sich der Kehlkopf, in dem ein Tongenerator in Form von zwei Stimmlippen sitzt. Diese werden zum Schwingen gebracht. So bildet sich ein Ton, der erst einmal fürchterlich knarrend klingt“, erklärt Prof. Markus Hess vom Medical Voice Center in Hamburg. „Im Resonanzraum darüber wird der Ton gefiltert. Die gewollten Töne kommen heraus, die ungewollten werden ausgesortiert“, so der Mediziner. „Diese Filtrierung macht die Sprache oder den Gesang, den Stimmklang oder das Timbre aus – eben die Reichhaltigkeit der Stimme.“


Stimmlippen
1 Zunge
2 Stimmbänder
3 Stimmmuskeln
4 Luftröhre
Das Ausatmen ist der Ursprung jeden Tons. Damit er entsteht, muss Luft eingeatmet und dann wieder durch den Kehlkopf hinausgepresst werden. Bei den Stimmlippen stößt die Luft auf Widerstand, drückt sie auseinander und bringt sie zum Schwingen. Damit der Ton Volumen bekommt, muss er durch unseren Körper als Resonanzraum verstärkt werden. Stimmen haben aber nicht nur eine individuelle Klangfarbe, sie sind auch ganz unterschiedlich hoch oder tief. Das liegt am Kehlkopf und an den Stimmlippen: Je kürzer und schmaler die Stimmlippen, umso höher ist die Stimme. Je länger und breiter, umso tiefer. So sind die Stimmlippen eines Mannes, der eine sehr tiefe Bassstimme hat, um die 25 Millimeter lang, die eines Neugeborenen nur etwa sechs Millimeter.
Sind wir euphorisch, begeistert und guter Laune, ist der Körper kraftvoll gespannt. Das überträgt sich auch auf die Stimmlippen. Wir atmen tief ein und aus, sodass viel Druck auf den sich berührenden Stimmlippen liegt. Sie schwingen heftig. Dadurch klingt die Stimme höher, die Töne sind deutlich, klar und lauter. Umgekehrt klingen wir wenig präsent, wenn unserem Körper die Spannung fehlt. Dann schließen sich die Stimmlippen weniger fest und mit weniger Spannkraft. Dadurch klingt die Stimme müde, monoton und manchmal auch tiefer. Im Zorn kann sich die Stimme auch mal überschlagen, wird schrill und laut, die Muskeln sind bis zum Anschlag gespannt. Das alles wird unbewusst gesteuert – vom vegetativen Nervensystem. Unbewusst wechseln wir sprach- und stimmlich auch die sozialen Rollen. Ob wir als Tochter oder als Mutter sprechen, als Chefin oder Geliebte – wir klingen anders.
Wie unser ganzer Körper unterliegt auch die Stimme einem Alterungsprozess. Bei der sogenannten Altersstimme sind die Stimmlippen dünner und haben weniger Volumen als früher. Die Folge: Die Stimme wird meist höher, man klingt heiser. Manchmal trifft man zudem nicht mehr den richtigen Ton. Das kann ein Stimmtraining ändern. „Durch gezielte Übungen lässt sich die Stimmlippenmasse wieder aufbauen und die Fehlspannung der Muskulatur abbauen“, so der Hamburger Phoniater und Phonochirurg. Wie bei Falten im Gesicht lassen sich die Stimmlippen auch aufpolstern. Das heißt in der medizinischen Fachsprache Augmentation. „Dabei werden sie unterfüttert und so ihr Volumen vergrößert“, so der Leiter des Hamburger Medical Voice Centers.